Day 42 to 48 - "transcanada" road trip
Da Kanada ja nun noch mehr als Whistler zu bieten hat und wir ja grundsätzlich schwer lange an einem Ort sein können, war die Idee eines 'kleinen' roadtrips quer durch die rockies relativ schnell gefaßt, unter anderem auch dadurch begünstigt dass die WG ziemlich vollgepackt war und wir niemandem auf den S*** gehen wollten. Bekannterweise ist Tino auch keiner, den man lange überzeugen muss, und sein boss aufm berg war auch verständnisvoll. Also direkt vom Hang in den Greyhound nach Vancouver zum nächsten Budget-Schalter. Die freundliche Dame teilte uns dann aber mit, dass irgendetwas mit Teresa's Kreditkarte nicht ganz koscher war (ich war eh ohne Führerschein angetreten und damit nicht 'verleihwürdig'). Letztendlich bedeutete das für uns, einen ungeplanten Zwischenstop in Vancouver einzulegen (Teresa war nur mit Snowboardschuhen ausgestattet :-) und am nächsten Morgen auf Tino zu warten, der den fahrbaren Untersatz auslösen musste. Ab da wars pretty much downhill, wir hauten grosszügig auf die Kacke, ein SUV musste her...um den Nachteil der fehlenden Winterreifen auszugleichen !!! Wie kann man in Canada im Winter Autos ohne entsprechende Reifen ausleihen ???!!!
Unser Ziel war das Kickinghorse resort in Golden an der Grenze zwischen British Columbia und Alberta. Roadtrip feeling pur auf 800km mit weiten Ebenen, Gebirgsstrassen, Schotterpisten und geschlossener Schneedecke (die Allradwahl war definitiv nicht die schlechteste).....irgendwie genau so hatte ich mir Kanada vorgestellt. Golden nannte sich selber "the city of opportunities", die konnten wir beim besten Willen nicht wirklich entdecken in den paar Häusern die sich dort um Highway und railway tracks scharten. Also schon einige Minuspunkte im Vergleich zu Whistler, aber wir waren ja auch nicht wegen der Stadt hier, sondern um im 'waist deep powder' einsame und unverspurte lines zu ziehen. Leider stellten wir dann am nächsten Morgen relativ schnell fest, dass die Marketing-Abteilung geringfügig mehr versprochen hatte als letztendlich erfüllt werden konnte. Okay, dass an der Talstation mal wieder Plastetüten als Schutz gegen den heftigen Regen verteilt wurden, dafür kann niemand was (beziehungsweise wir alle), sorgte aber trotzdem für lange Gesichter. Dass wir uns ausgerechnet mit dem St. Patricks Day einen der geschäftigsten Tage ausgesucht hatten, war auch irgendwie unsere Schuld. Aber dass wir für unseren ersten run ca. 45 minuten in der Liftschlange warten mussten, weil es nur eine Bahn nach oben gibt (ich verweise wieder auf den Regen), machte den ersten Eindruck dann vollends zunichte. Ingesamt hat das ganze Gebiet nur 4 Lifte, und die angepriesenen 100 backcountry runs schienen auch das Produkt der (bereits oben erwähnten) ausgebufften Marketingstrategen zu sein. Und da Regen selten zusammen mit strahlend blauem Himmel zu haben ist, waren die Sichtverhältnisse auch noch unter aller Sau. Also genau wie man sich einen schönen Tag im Schnee vorstellt.....Zurück im Hostel gabs dann die nächste unliebsame Überraschung, unsere 'Herbergseltern' waren in heller Aufregung weil wir am Morgen unsere Zimmertür ins Schloss fallen lassen hatten, in der Erwartung dann irgendwann einen Schlüssel ausgehändigt zu bekommen. Das Konzept des 'Schlüssels' war denen aber irgendwie unbekannt - es gab keine !!! Am Ende musste sich Teresa durch die schmale Fensterluke quälen um von innen zu öffnen. Alles in allem ein durchwachsener Tag, und als der Himmel am nächsten Morgen immer noch bzw. schon wieder ziemlich grau aussah, musste auch ich mich nicht lange überzeugen lassen, einen Abstecher ins 60km entfernte Lake Louise zu machen, Austragungsort im Ski-Weltcup und damit auch bestimmt für unsere Zwecke geeignet. Aber auch dieser Plan hatte nicht lange Bestand, denn der Highway war wegen einer Schlammlawine gesperrt, was einen Umweg von 3h bedeutet hätte. Kurzentschlossen wurde auf 'Relaxen' aka Radium Hot Springs umgeschwenkt. Wir hatten es uns grad im warmen pool gemütlich gemacht, da wurden draussen mehrere Busladungen japanischer Touristen ausgekippt, was sich kurz darauf auch im Pool nachteilig bemerkbar machte und wir kurzentschlossen das Weite suchten....also wieder Landschaft gucken, Fotos machen, musik hören und chillen. Letztendlich fanden wir dann doch noch unser Plätzchen (tip vom local), White Swan Hot springs lag 30km vom Highway entfernt versteckt im kanadischen Wald, keine Millionen Touristen, keine Autos, einfach nur paar natürliche Felsbecken am Fluss. Negativ nur dass wir noch 200km Rückweg vor uns hatten...die Relationen verschieben halt irgendwie :-).
Die nächsten beiden Tage standen dann wieder ganz im Zeichen des Brettsports, der Highway war geräumt, und wir standen Punkt 9 in Lake Louise am Lift (na gut, vielleicht nicht ganz :-). Das Skigebiet kann sich auf jeden Fall sehen lassen, nicht so gross wie Whistler, und ohne die Backcountry Möglichkeiten, aber pistentechnisch ganz weit vorn dabei, und der Park sowie die Jungs und Mädels die sich darin tummelten sorgten mehrfach für offene Münder vom Lift aus.
Ausser dem Skigebiet gibts hier nicht soviel zu sehen oder zu tun im Winter, ausser natürlich dem spektakulären Blick auf den See nebst dem Chateau Lake Louise.Die einzigartige türkisblaue Farbe des Sees stammt von Steinmehl, das von Gletscherschmelzwasser in den See gespült wird. Weiter gings nach Banff der 'Hauptstadt' der Rockies und grössten Stadt im gleichnamigen Nationalpark welcher als einer der schönsten und ältesten Nationalparks weltweit gilt. Dessen Popularität führt dazu dass sich die Touristen stapeln, es regelmäßig zu Staus auf dem Transcanada-Highway kommt und die Belastbarkeit der Natur erreicht bzw. überschritten ist.
Irgendwann musste Tino dann doch wieder auf seine heimische 'Chickpea' Hütte in Whistler, und auch für uns war es langsam an der Zeit Nordamerika zu verlassen und den Flieger gen Sydney zu besteigen. Wir machten uns wieder auf den Weg quer durch das wunderschöne British Columbia, klauten uns auf dem Weg paar schöne Tim Horton's Tassen, führten erfolgreich einen ungeplanten nächtlichen Elchtest durch um dann übermüdet mit zusätzlichen 3000km auf der Uhr im heimischen Whistler anzukommen. Schnell von Tino und der restlichen Hausbesatzung verabschiedet, und weiter das letzte Stück nach Vancouver wo wir nochmal 2 Tage verbringen wollten. Am Ende durften wir noch die Windschutzscheibe zwecks Steinschlag reparieren lassen (aber die Selbstbeteiligung wär auch nicht billiger gewesen), meine Kreditkarten verschwanden spurlos was uns einige Probleme bescherte, und Vancouver bewies einmal dass 'Raincouver' die Realität ziemlich genau beschreibt. Es regnete praktisch 2 Tage am Stück. Leider schafften wir den Abstecher nach Vancouver Island nicht mehr...gibt also fürs nächste Mal noch genug zu tun.
Kurz danach gings zum Vancouver Airport, und da wir über San Francisco flogen, durften wir hier (in einem speziellen Terminal) die ganze Gastfreundschaftlichkeit der amerikanischen Heimatschutzbehörden über uns ergehen lassen. Ziemlich beklemmend und erschreckend, wie man sich plötzlich nicht mehr als Reisender sondern als potentieller Terrorist/Krimineller fühlt...nicht wirklich einladend. Anyway, auch das wurde gemeistert, und nochmal paar Stunden später standen wir dort wo wir 7 wochen vorher aufgebrochen waren...am Sydney Airport.
Information and Links
Join the fray by commenting, tracking what others have to say, or linking to it from your blog.


