Weihnachten im Feindesland
Für den Rest der Welt sind Neuseeland und Australien mehr oder weniger das Gleiche und werden gern in einen Topf geworfen, das sollte man die Jungs hier aber nicht hoeren lassen (und zwar auf beiden Seiten), bei symbolträchtigen Events wie Rugby kommt das dann auch gern zur Geltung. Mich als neutralen Beobachter tangiert das nur, insbesondere da ich mich mit den hiesigen Lieblingssportarten eh nicht anfreunden kann. Dafür aber mit der Landschaft die laut 100% aller Befragten atemberaubend sein soll. Kurz entschlossen wurden die Tickets gebucht, leider ohne vorher den Urlaub abzuklären (bin wohl ziemlich verwöhnt was mein bisheriges Arbeitsleben betrifft).
Konnte aber letztendlich noch grade gebogen werden. Das Timing war wie immer ohne unnötige Luft, es sollte direkt am 25.12., nach der Bescherung :-), losgehen. Als erstes wurden jedoch unsere Vorstellungen bezüglich des Wetters über den Haufen geworfen, denn die Temperaturen pegelten sich gleichmässig nahe der 15 Grad-Marke ein, was insbesondere bei Teresa keine Begeisterungsstürme auslöst.
Die Reiseplanung war wie immer sehr rudimentär, außer Südinsel, Christchurch (Flughafen) und Routeburn-Track stand nichts wirklich fest, ach ja, und daß wir uns einen Campervan mieten wollten. Das dumme an der Zeitplanung war nur dass die meisten Autovermietungen am 25.12. geschlossen waren, in diesem Teil der Welt kommt dem 1. Weihnachtsfeiertag noch ein bissel mehr Bedeutung zu als bei uns. Am Ende lief das darauf hinaus, dass unser Autovermieter aus einem Briefkasten bestand, mit darin befindlichem Briefumschlag und Autoschluessel+Papiere. Derselber nahm dann auch alles wieder entgegen, easy going. Das Auto war als Micro-Campervan beworben und grad noch so erschwinglich, letztendlich handelte es sich um einen japanischen Kombi mit lustigen Playmobil-Aufklebern, nicht wirklich gross, aber dafür mit einer originellen selbstgebastelten (und undichten) Zelterweiterung (siehe oben). Mit der Zeit entwickelten wir auch effiziente Techniken den Inhalt so umzusortieren dass wir dort drin auch schlafen konnten
Die Surfbretter durften leider nicht mit, was sich am Ende als ganz sinnvoll herausstellte, denn auf dem Weg entlang der Ostküste war das Wetter nicht wirklich besonders, und auch die Strände + Wellen rissen uns nicht vom Hocker. Über Oamaru mit seinen Pinguinkolonien und Dunedin gings dann Richtung Westen, unser erstes Highlight sollte der Milford-Sound sein, neben dem Doubtful Sound der beeindruckendste Fjord in der Ecke...aber gleichzeitig auch einer der feuchtesten Plätze dieser Erde mit durchschnittlich 182 Regentagen und einer jährlichen Niederschlagsmenge von knapp 7m. Leider hatten wir nicht allzuviel Zeit um grössere Individualsperenzchen zu machen, und liessen uns deswegen auf einen "overnight boat cruise" auf der "MV Friendship" ein. Sagen wir mal so, das muss ich nicht nochmal machen, zumindest nicht für das Geld. Die ersten 2 Stunden durch den Milford Sound waren schick, danach machte sich Langeweile breit und wurde durch den aufkommenden Regen nicht unbedingt gemildert. Lag aber wohl auch daran, dass der Kapitän wohl keine Lust auf den eigentlich versprochenen Landausflug hatte. Aber dafür konnten wir mal in einer Kajüte schlafen, und durch Bullaugen gucken.
Die nächste Station sollte dann Queenstown, die "Adrenalinhauptstadt" von Neuseeland sein, Luftlinie nicht wirklich weit weg von Milford, aber in Neuseeland gibts eben ni soviele Strassen und man fährt schön mit der Kirche ums Dorf (aber ein ziemlich schönes dorf ). Drt angekommen, fielen uns erstmal diverse Dinge auf. Erstens schien die Sonne, es war sogar zur Abwechslung mal endlich richtig warm, die Zeltplätze und auch die Stadt waren voll mit partyhungrigen Jugendlichen (sind halt dort die Schulferien), und in ganz Queenstown galt ein 10-tägiger Alkoholbann. Irgendwie befremdlich wenn zu solchen Massnahmen gegriffen werden muss....Letztendlich verlagerte sich die Party damit nur auf die Zeltplätze, aber das wussten die Stdtväter zu dem Zeitpunkt leider noch nicht.
Bin gespannt welche abschreckungsmassnahmen nächstes Jahr angewendet werden.
Für uns war das ganz gut, wir konnten uns immer auf die Zeltplätze schleichen um "illegal" zu duschen weil die Security-Typen ne leicht andere "Zielgruppe" hatten. So ganz camperfreundlich schien mir die Gegend um Queenstown ni zu sein (wahrscheinlich sinds dann doch zuviele), denn wenn wir mal guten Willen zeigten und ne offizielle Duschgenehmigung erbaten, dann waren wir schnell bei 10 NZD oder so...pure Schikane. Und wenn man sich auf öffentliche Plätze stellt dann hämmert der Ranger wutschnaubend gegen 5 an die Scheibe anstatt mal bissl Gnade walten zu lassen...so geschehen in Wanaka. In der Beziehung sind sich Aussies und Kiwis dann doch schon wieder sehr ähnlich. Wegen Silvester, Routeburn Track und den Shopping-Möglichkeiten verbrachten wir dann letztendlich ziemlich viel Zeit in und um Queenstown, nicht zuletzt auch wegen der einmaligen und kostenlosen Park-, Koch- und Camp location direkt über dem Shotover River Canyon, nur gestört durch die Speedboote die unten die Touris 10 cm an den Felsklippen vorbeimanövrierten. Geht nur nicht immer gut, ein Boot sank dann auch mal (Freude auf unserer Seite :-).
Silvester war dann der nächste Höhepunkt, zumindest auf dem Papier, denn ohne Freunde macht das ni wirklich soviel Spaß zumal die Nächte dort bedenklich nah an den Gefrierpunkt gingen, dazu noch der Stress mit dem Alkoholverbot (da aber gefüllte Colaflaschen nicht überprüft werden ist das nur noch halb so schlimm), und die junge dauerbesoffene NZ party crowd. Wir waren jedenfalls früh im Bett.....
Am 2.1. gings dann los auf den Routeburn-Track, bei wolkenlosen Himmel und Sonnenschein, leider aber mit angeschlagener Freundin. Leichte Sorge machte sich bei mir breit, da Wandern weder zu Teresas Lieblingsbeschäftigungen gehört und auch ni wirklich zum Gesundwerden beiträgt. Die drei Tage waren aber dann im Rückblick absolut lohnenswert, insbesondere da uns der obligatorische Niederschlag erspart blieb. Ca. 32 km durch unterschiedlichste Vegetations- und Klimazonen, mit schneebedeckten Gipfeln, märchenhaften Dschungelwäldern, dem schönsten (und kältesten) See in dem wir jemals gebadet hatten.....
Leider war unsere Zeit in Neuseeland dann auch schon fast wieder vorbei, bevor es aber nach Christchurch und Sydney ging, gönnte ich mir dann doch noch ein Adrenalinkick in Queenstown, und zwar ne zweistündige Offroadtour mitm Mopped. Superpeinlich nur dass ich mich gleich auf der Einführungsrunde aufm Sandplatz hinlegte....leichte Übermotivation gepaat mit fehlender Übung. Naja, bissl die Motivation gebremst und nicht versucht den beiden anderen (der eine war der Guide, der andere früher aktiver Rennfahrer) alles nachzumachen, und so kam ich mit Verspannungen in den Händen und ohne weiteren Sturz davon.
Auf dem Rückweg quer durch die Südinsel nochmal kurz den Mt. Cook aus der Ferne gesehen, bei der Einfahrt in Christchurch geblitzt und die Nacht unentspannt auf dem Flughafen verbracht. Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass Neuseeland gegenüber Australien landschaftlich für mich schon leicht die Nase vorn hat, obwohl man die beiden eigentlich nicht vergleichen kann.
another box ticked...
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